Gärtnerei Lutz Zeihsel
Hof Louisgarde 1
97990 Weikersheim

Tel: 09336 / 851
Fax: 09336 / 9799700

DE-002-Öko-Kontrollstelle

Lohegarten – Kloster Lochgarten – Louisgarde

die nahezu tausendjährige Geschichte eines Hofes

1. Teil

In einem Seitental der Tauber zwischen Bad Mergentheim und dem ehemaligen Hohenloher Residenzstädtchen Weikersheim liegt auf der Höhe das von einem schmalen Waldgürtel umgebene Gut Louisgarde.
Wenn man seine geologische Lage betrachtet, ist unschwer zu erkennen, dass es sich ursprünglich um eine Rodung im Wald handelte: Lohegarten – Lochgarten, Garten im Wald, der erste urkundlich genannte Name im 12. Jahrhundert.

In dieser Zeit beschlossen zwei Chorherren des staufischen Klosters Lorch, Konstantin und Giselbert von Rothenburg, wahrscheinlich zwei begüterte adlige Brüder aus dem Taubergebiet, auf dem von ihrem Vater geerbten Gut ein Kloster zu errichten.
Im Fürstlich- Hohenlohischen Archiv im Schloß Neuenstein liegt noch heutigen Tages eine Urkunde aus dem Jahre 1144 verwahrt, die davon berichtet.

Darin geben Stauferkönig Konrad III. und sein Sohn Friedrich von Rothenburg den beiden Klostergründern die Erlaubnis ein Kloster zu errichten nach der Lehre des heiligen Augustinus.
Über zehn hohe bischöfliche und adelige Zeugen beglaubigen die Urkunde, in der u. a. auch festgestellt wird, dass das Kloster jedes Jahr an Maria Geburt einen Goldgulden oder 12 Denaren Würzburger Geldes an das Kloster Lorch zu zahlen hat.
Da nun diese Klostergründung in der Diözese Würzburg liegt, so verfügt der damalige Bischof Embrico die Nonnen des nahegelegenen Prämonstratenserklosters Tückelhausen nach Lochgarten zu ersetzen, die vorher mit den Klosterbrüdern dort unter einem Obdach gelebt haben.
Die Trennung gefälltl beiden Teilen nicht, sie wären lieber beisammen und protestieren gegen die Entscheidung. Es gibt in den darauffolgenden Jahren viele Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konventen und manch schriftlich erhaltener Vertrag schlichtet einen Streit der zwischen Lochgarten und Tückelhausen um weltliche Güter entbrannt ist.

Von den überlieferten lateinisch verfassten Urkunden blieb auch die von Kaiser Friedrich I. Barbarossa erhalten, die ebenfalls in Schloss Neuenstein als wertvolles Exemplar verwahrt wird.
Am 29. Oktober 1155 zu Würzburg ausgestellt, hat Barbarossa den Lochgartener Nonnen folgendes beurkundet: Er, Kaiser Friedrich I., nimmt das Kloster Lochgarten in seinen unmittelbaren Schutz und garantiert die klösterliche Ruhe und das klösterliche Leben (quietem et religionem), auch übernimmt er die Vogtei des Klosters.

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit. Ich, Friedrich, durch die begünstigende göttliche Gnade allzeit erhabener Römischer Kaiser, machen den gegenwärtigen und künftigen Getreuen Christi bekannt, dass wir uns kraft eigenen Rechts zum Verteidiger und Vogt eingesetzt haben, damit nicht irgendjemand versuche, den Frieden und die Heiligkeit dieses Ortes und die Ehrerbietung ihrer Getreuen zu bewahren; wenn jemand sie verletzen sollte, zieht er sich unwiderruflich die Ungnade der königlichen Majestät zu. Damit dies gültig und unwiderruflich bleibe, haben wir es mit dem Eindruck unseres Siegel bekräftigt.“

Es folgt das große Kaisersiegel, das ihn, auf dem Thron sitzend, mit den Reichsinsignien in der Hand, darstellt. Das zweite Merkmal der Rechtsgültigkeit besteht in dem Kaisersignum Barbarossas, das auf die Pergamenturkunde gemalt ist und sämtliche Buchstaben und Namen seines Titels trägt.
Sechzehn Zeugen von Höchstem Rang bekräftigen diesen Vertrag, sie befanden sich demnach am Ausstellungsort und im Gefolge des Kaisers: Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, ein Herzog, Gaugrafen und Pfalzgrafen und sonstige Edle.

Ob diese Urkunde wohl in der Zeit verfaßt wurde, als Friedrich Barbarossa anlässlich seiner bevorstehenden Hochzeit mit Beatrix von Burgund in Würzburg weilte?

Erst im Jahr 1324 erfahren wir nach längerer Zeit wieder etwas vom Kloster Lochgarten. Die Äbtissin des nahegelegenen Prämonstratenser Nonnenklosters Schäftersheim, Mechthild von Durne (Wallldürn) lässt in der Kapelle zu Lochgarten eine Messe lesen.
Wahrscheinlich ist zu dieser Zeit der kleine Konvent schon dem größeren in Schäftersheim einverleibt gewesen. Bestätigt wird diese Annahme allerdings erst 50 Jahre später in einem Dokument. Danach bleibt es lange ruhig, zumindest sind aus dieser Zeit keine direkten Vorkommnisse bekannt.

Der Bauernkrieg, der hier im süddeutschen Raum das bestehende Recht und die zum Teil untragbar gewordenen Verhältnisse der Untergebenen von Kirche und Adel mit Gewalt zu ändern versucht, verändert die Zustände vollständig.

Auf dem Weg zur Entscheidungsschlacht bei Königshofen zwischen den Bauern und der Obrigkeit, zerstört der Taubertäler Haufen am 5. April 1525 unter anderem auch das Kloster Schäftersheim. Die Nonnen sehen sich daher in ihrer Not gezwungen, Lochgarten mit seinen Gütern und Wäldern 1528 an die Grafen von Hohenlohe-Weikersheim zu verkaufen. Das klösterliche Leben findet somit im „Garten im Wald“ sein Ende und eine neue Zeit bricht für Lochgarten an.

2. Teil

Die nächsten Jahre sind noch von den Wirren des Bauernkrieges gezeichnet, doch Lochgarten und die naheliegenden Dörfer Nassau und Schäftersheim stehen jetzt unter dem starken Schutz der Hohenloher Herrschaft, die 1540 in ihrem Gebiet die Reformation einführt.
Auseinandersetzungen zwischen der Grafschaft Weikersheim und dem Bischof von Würzburg, der auf seine Zehtgerechtigkeit über gewisse Fluren in diesem Raum pocht, sind unvermeidlich, doch Graf Wolfgang von Hohenlohe gibt sein Recht der Pfarrbesetzung nicht auf.
1543 wird Bernhard Kessmann, der seine Einkünfte von Weikersheim bezieht, auf die Nassauer Pfarrstelle gesetzt und predigt in Bernsfelden katholisch und den Nassauern evangelisch. So versucht man, jeglicher Obrigkeit gerecht zu werden, und die leibeigenen Bauern hatten sich selbstverständlich zu fügen.

Für Lochgarten selbst scheint nach diesen unruhigen Jahren ein völliger Neubeginn mit mannigfaltigen Aktivitäten angebrochen zu sein.
1544 wird von zwei herrschaftlichen Inspektoren berichtet, die für den Hof 45-60 Gulden Pacht bezahlen und Pferdezucht betreiben.
Bereits 1550 ist die Rede von vielen Stuten und Füllen, die dort laufen, und der Herrschaft ansehnliche Einkünfte von 210 Gulden erbringen. So ist man jetzt in der Lage, 1561 einen großen Umbau der Gebäude „zur Errichtung der Ökonomie“ zu forcieren. Auch ein herrschaftlicher Park mit Hühnerhaus wird angelegt.
Im Wiesental zwischen Lochgarten und Nassau besteht eine große Fischzucht und im Jahr 1587 wird von der Ausgrabung des großen „Forellensees" auf dem Hof berichtet, mit 2 Fuß Tiefe und einem Damm von 60 m Länge.

Es scheinen drei gute Jahrzehnte des Wiederaufbaus für das Land und die Rekonvaleszenz der Bevölkerung gewesen zu sein, doch bereits 1585 und 1596 wütet die Pest in Nassau und die Hälfte der Menschen des 200-Seelendorfes stirbt.

1603 leiht Graf Friedrich von Hohenlohe der total verschuldeten Gemeinde 736 Gulden zu einem „angemessenen Zins“, wie die Chronik berichtet.

15 Jahre später beginnt der 30-jährige Krieg. Er bedeutet für Jahre die Auflösung aller Zucht und Ordnung und 1626 als auch 1634 bringen durchziehende Soldaten die Beulenpest. In zwei Monaten sind 114 Tote in Nassau zu beklagen, dazu wird von einer Überschwemmung und Hagelschlag im Juni 1636 berichtet, welche die ganzen Bestände auf den Feldern vernichten und das Land veröden lassen. Es herrscht große Not in Haus und Hof. Die Kriegsfurie überrollt immer wieder die Grafschaft Hohenlohe-Weikersheim; Schweden, Franzosen, alle plünderen und wollen sich von dem ausgebluteten Land ernähren.

Graf Georg Friedrich von Hohenlohe-Weikersheim steht auf der Seite der Protestanten, und als die schwedischen Verbündeten 1634 die Schlacht bei Nördlingen verlieren, wird die „Ächtung“ über ihn ausgesprochen und seine Grafschaft Weikersheim beschlagnahmt und dem Deutschorden in Mergentheim zur Zwangsverwaltung „geschenkt“.
Erst der westfälische Friede 1648 stellt die alte Ordnung wieder her, doch Georg Friedrich erlebt die Rückgabe seiner Güter nicht mehr. Er stirbt 5 Jahr vorher.

Wie hat wohl Hof Lochgarten als Besitz der Grafen dieses von Kriegen, Seuchen und Überfällen gezeichnete Jahrhundert überstanden? Hat ihn seine Lage mitten im Wald vor manchen Plünderungen bewahrt oder galt er als Zufluchtsort für Verfolgte oder gar als Schlupfwinkel für manches Gesindel? Wir wissen darüber nichts.

Es sieht ganz so aus, als ob der Hof über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben ist, denn bei einer Generalinventur und Neuverteilung aller Hohenlohischen Besitztümer 1707-1709 erbt Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim die gesamte Grafschaft und damit auch Lochgarten, der einem Bericht des Rentamts zufolge, in einem katastrophalen Zustand ist:

„Dess Hoffbauren Haus besteht in schlechter Logier des Bauren und einem Ochsen und angebauten Schweinestall. Ist wenig nutz und alles sehr baufällig und keiner Reparatur würdig. Ein Backhäuslein, ebenfalls samt Backofen nicht viel werth. Eine Frucht- und Heuscheuren, darunter 1 Fohlen und 1 doppelter Kühestall, 2 Scheuerdennen, ein großer Bohren und eine Fruchtschüttung zu 60 Malter Früchten befindlcih, ist am Fundament nicht viel werth.

Wiesen: 19 ¼ Morgen und 62 Ruten, die Hälfte nichts als Stein und Rain. 1 großer und 1 kleiner See.“

1709 beginnt nun eine rege Bautätigkeit in der Grafschaft. Ein Zeitgenosse berichtet: „Herr Graf Carl Ludwig hat das Bauen sehr geliebt und sich in dieser Kunst ausnehmend wohl geübet“.

Das höfische Leben in der kleinen Residenz Weikersheim gestaltet sich nach den Vorbildern europäischer Fürstenhäuser im Zeitalter Ludwig XIV. Das Schloss wird ausgebaut, der große Park mit der Orangerie angelegt, und in Lochgarten erstellt sich der Graf ein Jagdhaus mit einer Schweizerei. Natürlich muss nun auch Lochgarten, der Waldgarten, der Mode entsprechend in Louisgarde umbenannt werden.

Vergleicht man eine Zeichnung dieser neuen Hofanlage (Hohenloher Zentralarchiv in Schloss Neuenstein) mit dem heutigen Zustand des Anwesens, so ist die Grundanlage der Gebäude bis zum heutigen Tag ungefähr gleich geblieben.

3. Teil

Doch das Schicksal schreitet schnell. Durch tragische Umstände stirbt die Familie Hohenlohe-Weikersheim 1756 aus und so geht die ganze Grafschaft 1767 zunächst an das Haus Hohenlohe-Öhringen. In dieser Zeit wird die Grafschaft zum Fürstentum erhoben. 1805 fällt das Erbe an das verwandte Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg.

So wechselt nun auch Louisgarde mehrmals den Besitzer. 1783 wird es an Johannes Jakob Bauer, Schultheiß in Nassau, verkauft. 1818 verkauft Lammwirt Bauer wiederum die Hälfte des Hofes an Pfarrer Schnell aus Vorbachzimmern. Letztendlich holt sich das Fürstentum Hohenlohe-Langenburg seinen ehemaligen Besitz 1824 aus der Konkursmasse von Bauer für 8000 Gulden zurück, und 1850 die andere Hälfte von den Erben des Pfarrers Schnell.

Das neue Jahrhundert nennt die mennonitische Familie Horsch als Pächter, die für das 86,59 ha große, wieder vereinte Gut 4800 Reichsmark jährlich an das Rentamt in Weikersheim zu zahlen hat.

1902 lässt Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg durch den Architekten Baumann aus Niederstetten für 25000 Reichsmark ein neues Wohnhaus mit Uhr und Glocke erbauen.

Auf Ersuchen der Süddeutschen Zucker-Aktiengesellschaft, die den Hof 1914 pachtet, soll 1915 eine Feldscheune gebaut werden. Eine neue Ära der Bewirtschaftung beginnt. Der Zuckerrübenanbau ist im Vordringen und der Hof mit seinen versierten Verwaltern Illig, Schmidt, Bucher, Rössler und Riesch wird zum Vorbild und Lehrmeister für die Bauern der umliegenden Dörfer. Auch viele Tagelöhner aus der Umgebung finden hier Arbeit und Brot. Der technische Fortschritt geht weiter. Schließlich wird 1916 Hof Louisgarde an das Stromnetz angeschlossen, 1925 erhält es eine Hauswasserversorgung und 1926 entsteht der neue Viehstall für 47361 Reichsmark Baukosten.

Nach der Inflation in den 20er Jahren wird jedoch die Zeit für Bauern und Grundbesitzer immer schlechter und die Steuerbelastungen werden immer höher. So sieht sich das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg (nach einem trostlosen wirtschaftlichen Lagebericht von Domänendirektor Mutschler) gezwungen, aus der Not heraus mehrere Höfe zu verkaufen, so auch Hof Louisgarde. Damit geht er am 5. September 1932 in den Besitz der Familie des Kommerzrats Andreas Laukhuff in Weikersheim über.

Die Technisierung der Landwirtschaft geht inzwischen unaufhörlich weiter, neben zwei Pferden und vier Paar Ochsengespannen gibt es 1933 bereits den ersten Ford-Traktor und eine Dreschmaschine auf dem Hof. Auch der Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung bringt Erleichterung. Vor dem 2. Weltkrieg kommt noch ein Lanz-Bulldog dazu und in den 50er Jahren der erste Mähdrescher.

Der Pachtvertrag zwischen den Geschwistern Laukhuff und der Süddeutschen Zucker AG besteht von 1914 bis zum Jahre 1952. Anschließend wird der Hof in Eigenbewirtschaftung übernommen, und Herr Decker ist Verwalter.

Nach Lehr- und Berufsjahren in Württemberg und Bayern übernimmt die Familie Schweyher am 1. Februar 1957 den Hof Louisgarde zur Pacht mit dem Kauf des gesamten Rindvieh- und Schweinebestandes, sowie allen Maschinen und Geräten. 1990 wurde der Hof an eine Betriebsgemeinschaft übergeben, der ihr Sohn angehörte. In diesem Zuge wurde gleichzeitig auch auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt. Hof Louisgarde wurde somit ein Demeter-Hof.

Anlässlich dieser Übernahme schreibt Frau Margarete Schweyher für einen Hofbrief:

33 Jahre unseres Lebens haben wir auf diesem Stück Erde verbracht. Wir haben uns mit Engagement und Freude dafür eingesetzt, das Land und den Hof weiterhin zu kultivieren, zu verbessern und auch zu verschönern. Unsere Aufgabe sahen wir außerdem darin, jungen Menschen während ihrer Ausbildung beizustehen und ihnen praktisches Können und Wissen, aber auch die Freude an den land- und hauswirtschaftlichen Berufen zu vermitteln.

So blicken wir voll Zuversicht in die Zukunft, beruhigt in unserem Gedanken, dass Hof Louisgarde seit dem 1. Januar 1990 bei der jetzigen Betriebsgemeinschaft in verantwortungsbewussten guten Händen ist.

Zwischen dem Alten, zwischen dem Neuen
hier uns zu freuen, schenkt uns das Glück
und das Vergangene heißt mit Vertrauen
vorwärts zu schauen, schauen zurück.

(Johann Wolfgang von Goethe)“